Porsche Schinznach Bad
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Porsche Classic Rest. Challenge 2016/17

Aktuell im Porsche Service Zentrum Schinznach Bad in Restauration: der Porsche 911 Carrera Targa mit Turbolook von 1989

Der Porsche, der sich momentan bei uns in Restauration befindet – ein 911 Carrera Targa mit der Sonderausstattung Turbolook stammt aus dem Jahr 1989, dem letzten Baujahr der G-Serie. Und wo Sie Recht haben, haben Sie Recht: Normalerweise braucht ein kaum 30-jähriger Porsche keine Totalrestauration – was der hochwertigen Technik und der umfassenden Rostvorsorge mit Vollverzinkung zu verdanken ist, die bei Porsche schon seit 40 Jahren allen Neunelfern zugute kommt. Doch besagten Porsche ereilte bei Kilometerstand 71 000 das Schicksal in Form eines Lieferwagens, dessen Lenker das Heck des sich im Stillstand befindlichen Carreras glatt übersehen hatte. Resultat: Eine Kaltverformung der Kotflügel, der inneren Seitenwand und des Querträgers, der die Stossdämpfer aufnimmt.

In Mitleidenschaft gezogen wurden dabei auch Teile der Aufhängung sowie die Motorperipherie. Obwohl es sich um ein relativ modernes Fahrzeug handelt, geht es nun gleichwohl nicht um das blosse Beseitigen eines Unfallschadens, sondern um eine Restauration nach allen Regeln der Kunst. Und diese lohnt sich bei diesem Fahrzeug speziell, sind Carrera mit Turbolook doch sehr selten (nur wenige Käufer entschlossen sich damals, das Angebot von Porsche anzunehmen, den Carrera mit den breiten Kotflügeln und der Bremsanlage des 911 Turbos zu bestellen. Diese Optionen sorgten zwar für scharfe Verzögerung und ebensolches Aussehen, aber leider nicht für höhere Geschwindigkeit: Die turbobreiten Carrera waren wegen des höheren Luftwiderstands etwas langsamer als diejenigen in Standardausführung). Der beschädigte Carrera (3.2 l, 217 PS, Samtrotmetallic) wird denn auch nicht einfach nur auf die Richtbank gesetzt und gestreckt. Vielmehr geht es darum, die beschädigten Teile durch Neuteile zu ersetzen und diese dann korrekt einzupassen und zu montieren. Das ist im Prinzip machbar – sofern man über die Ersatzteile verfügt. Leider lagert Porsche für diesen Typ nicht mehr jedes Teil im Regal. Erst nach langem Suchen konnten wir zum Beispiel die Seitenwand und den Querträger finden – tausende von Kilometern entfernt, in Übersee, von wo sie per Luftfracht bei uns eintrafen. Welche Herausforderungen uns bei diesem Restaurationsabenteuer noch beschäftigen werden – darüber erfahren Sie in Kürze mehr!

 

Zeitstrahl Porsche Classic Restaurations Challenge 2016 / 17

Operation gelungen -Turbo Look wiederhergestellt

Die grösste Herausforderung dieser Restauration?

Trotz des jugendlichen Alters des Restaurationsobjektes war wohl die Beschaffung von Originalteilen der aufwändigste und nervenaufreibendste Teil der Restaurierung. Schliesslich sind originale Fahrzeuge mit Turbo Look ab Werk sehr selten, insbesondere solche in Targaausführung. Da kann man für die meisten Teile nicht einfach so schnell mal auf die entsprechenden Artikelnummern auf dem digitalen Ersatzteilkatalog klicken, und am nächsten Tag liegen diese dann auf der Werkbank parat. Es reicht auch nicht, den freundlichen Jochen oder Bernd in Zuffenhausen anzurufen, denn selbst im Werk sind viele seltene Teile vergriffen. Vielmehr braucht es für das Aufspüren von seltenen Teilen Beziehungen und eine gute Kombinationsgabe sowie die Fachkenntnis, ein Originalteil von einem Nachbau unterscheiden zu können.

Da der 911-er einen Heckschaden erlitten hatte, mussten wir praktisch die gesamte Heckpartie erneuern, wofür wir das Fahrzeug zerlegt hatten: Motor, Getriebe, Fahrwerk, Innenraum – alles musste raus. Schliesslich bildet ein komplett zerlegtes Fahrzeug auch die beste Voraussetzung für die Neulackierung. Auf der Richtbank ersetzten wir die beschädigten Strukturteile (Seitenwand, Querträger und Stossdämpferaufnahme). Offene Fahrzeugkarosserien, wie diejenige des Targa, sind von Natur her weniger verwindungssteif als geschlossene Karosserien, die Fertigungstoleranzen müssen deshalb sehr präzise eingehalten werden. Nur so können die Karosseriespengler zum Beispiel eine Heckscheibe perfekt einpassen – dabei sprechen wir von Arbeiten beinahe im Zehntelmillimeterbereich. Diese Präzision gilt natürlich auch für alle Arbeiten an der Mechanik – etwa am Motor, dem wir eine Teilrevision angedeihen liessen, da er ja ohnehin bereits ausgebaut war.

Bei allen Arbeiten hielten wir (und die Versicherungsgesellschaft, die für die Reparatur des Heckschadens aufkam) stets das Budget im Auge. Unser Ehrgeiz war es, die Kriterien der Porsche Schweiz AG für eine auf Wirtschaftlichkeit basierende Restauration zu erfüllen. Ein Ziel, das wir vollumfänglich erreichen konnten.