Porsche Schinznach Bad
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Porsche Classic Rest. Challenge 2015/16

Aktuell im Porsche Service Zentrum Schinznach Bad in Restauration: der Porsche 911 S 2.2 Targa von 1971

Der Porsche 911 S 2.2 Targa mit der Fahrgestellnummer 911 131 0763, eine originale AMAG-Auslieferung aus dem Jahr 1971, wird momentan in der Werkstatt des Porsche Service Zentrums Schinznach Bad einer umfassenden Verjüngungskur unterzogen.

Die 2.2 S-Version mit 180 PS war damals die stärkste Strassenausführung – erst im Jahr zuvor war der Hubraum aufgebohrt worden, die Leistung konnte so um 20 PS gesteigert werden. Nur gerade während zwei Jahren wurde der 2.2-Liter gebaut. Schon deshalb sind die Modelle, deren Heckscheibenkleber in einem Umriss des Boxermotors stolz die Zahl 2.2 trägt, echte Raritäten: Bereits 1972 wurde der Hubraum nämlich auf knapp 2,4 Liter erhöht. Dieses Nachfolgemodell ist bekannt als «Ölklappe», es trägt auf seinem hinteren rechten Kotflügel eine Einfüllklappe für das Motorenöl. Das war kein Styling-Gag, sondern half mit, das Fahrverhalten zu verbessern, hatte man doch den Öltank und dessen Einfüllstutzen von der bisherigen Position hinter der Achse zwischen die Achsen verlegt. Damit konnte die Vorderachse stärker belastet (immerhin fasst der Öltank über 8 Liter) und dadurch die Übersteuertendenz gemindert werden. Bei der Demontage von 911 131 0763 fanden sich an der Unterseite des Kotflügels denn auch bereits die Verstärkungen, die für die Aufnahme der Klappe angebracht worden waren. Der zuständige Spezialist in der Karosserieabteilung hätte nur noch die entsprechende Öffnung zu bohren brauchen. Zusammen mit dem offiziell erst ab 1972 erhältlichen Farbton ein weiterer Beweis dafür, dass es sich bei 911 131 0763, dem damals teuersten Serien-Porsche, um einen sehr späten 2.2 Liter handelt – und dafür, dass die Umstellung zum 2.4 auf dem Fliessband in der Tat «fliessend» erfolgt sein muss.

Eine Restauration gestattet also interessante Einblicke in industrielle Abläufe – sofern man die Augen offen hält. Und dies tut Projektleiter Luciano Zanandreis vom PSZ Schinznach Bad. Auch was die Suche nach Ersatzteilen angeht: «Der Kunde – ein Sammler, der diesen 911 direkt vom Erstbesitzer erstanden hat – möchte, dass sein 2.2 am Ende genauso dasteht, wie er 1971 im Showroom geglänzt hat. Das heisst, dass wir – anders als zum Beispiel bei der Restaurierung des 356 Carrera, über den wir in einer früheren Porsche Times berichtet haben – beschädigte Teile nicht aufbereiten und wieder einbauen. Denn solchen Teilen sieht man ihr Alter und die Spuren des Gebrauchs immer an. Wir ersetzen deshalb praktisch alle Teile, die Gebrauchsspuren zeigen. Wenn immer möglich, suchen wir nach sogenannten NOS-Teilen, also «New Old Stock»: Neuteile, die seit den Siebzigerjahren auf irgendeinem Regal «vergessen» gegangen sind.

Das Nächstbeste sind Originalteile, die zwar auch von Porsche oder dessen Zulieferern, aber später produziert worden sind. Nur wenn ein Teil tatsächlich nicht mehr bei Original-Porsche-Quellen zur Verfügung steht, greifen wir auf Nachbauten unabhängiger Hersteller zurück. In diesem Fall wissen wir, welche Produzenten es mit der Originaltreue und Qualität am genauesten nehmen».

Bei den Teilen, die von dritter Seite zugeliefert werden, handelt es sich meistens um Blechteile. Und von denen werden einige benötigt – obwohl Porsche der erste Hersteller war, der sich mit vollverzinkten Karosserien dem Rostkampf verschrieben hatte. Doch leider erst nach dem Bau von 911 131 0763...

Vor der Demontage und dem kompletten Entlacken im Tauchbad präsentierte sich der 911 noch ganz passabel – aus der Entfernung. Beim Zerlegen zeigte sich hingegen, dass viele Rostschäden im Laufe seiner Existenz unsachgemäss geflickt worden waren, dass das Auto bereits mindestens zweimal überlackiert wurde und dass unter anderem beide Türen erneuert werden mussten. Das Tauchbad machte auch eine Öffnung der ansonsten gesunden Schweller nötig, da die Röhren der Heizung darin verlaufen. Deren Kunststoffmaterial hätte die Strapazen des Phosphorsäurebads nicht überlebt. Nun werden die Schweller mit frischem Blech und neuen Heizröhren wieder in den Neuzustand zurückversetzt. Genau wie der Rest der Karosserie, die im gleichen Farbton erstrahlen soll wie einst im Mai: Hellgelb mit dem Farbcode 6210, eine von fünf Gelbschattierungen, mit denen man sich anfangs der Siebziger seinen 911 bestellen konnte.

 

Gewicht ist bekanntlich ein grosser Feind der Performance.

Um Gewicht zu sparen und die Hinterachse zu entlasten, spendierten die Ingenieure aus Zuffenhausen dem 2.2 eine Motorhaube aus Aluminium sowie eine hintere Stosstange, deren Mittelteil aus dem gleichen Material besteht. Zwei Jahre später kam der legendäre Carrera RS auf den Markt. Und mit ihm das Begehren vieler 911-Besitzer, diesem «Über-Porsche» zumindest optisch nahe zu kommen. So ersetzte der Vorbesitzer die Original-Stosstange mit einer Spoiler-Ausführung. Dieser frühere Fauxpas wird jetzt rückgängig gemacht – als eines der Beispiele für die Details, auf die Profis bei einer Restauration akribisch Wert legen.

Und wie sieht es mit Motor und Getriebe aus? «Das Auto kam auf eigener Achse zu uns – der Motor lief ganz zufriedenstellend. Bloss der Ölverbrauch war auffällig. Und beim Getriebe kratzte die Synchronisation. Keine Frage: Wir mussten beide Komponenten komplett zerlegen. Dabei stellte sich heraus, dass der Motor in seinem 44-jährigen Leben bereits ein- oder zweimal überholt worden war. Nicht immer zu seinem Besten – so war zum Beispiel das Motorgehäuse (eine Aluminium-/ Magnesiumlegierung) nicht sauber plan geschliffen worden, was wiederum negative Auswirkungen auf die Lager hatte.

Solche Schäden zu erkennen und zu korrigieren, benötigt viel Fachwissen und Zeit. Beides kostet, zusammen mit den benötigten Teilen, Geld. Wieviel? «Mehr, als ein perfekter 911 S 2.2 Targa momentan wohl Wert ist», bestätigt Luciano Zanandreis. «Bei der Offertrunde hatten wir starke Mitbewerber – auch aus Deutschland. Doch wir konnten uns behaupten und sind nun froh, für einen wahren Liebhaber arbeiten zu dürfen, dem es in erster Linie um eine hervorragende Arbeit geht, und nicht darum, das Fahrzeug schnell mit Gewinn wieder verkaufen zu können».

 

Apropos «schnell»: Wann wird die Restaurierung denn abgeschlossen? «Ganz sicher auf die Porsche Classic Days 2016», versichert der Projektverantwortliche, «aber unser Ehrgeiz ist es, den Targa bereits auf nächste Weihnachten fertig zu stellen."

 

Zeitstrahl Porsche Classic Restaurations Challenge 2015 / 16

4. Porsche Classic Day 2016

Medienberichte

Das Projekt „911 Targa S 2.2“ vom Jahr 1971

Erfahren Sie mehr in der aktuellen Ausgabe der Porsche Times!

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Wie alles Begann: Das Projekt 911 Targa S 2.2

Erfahren Sie mehr in der Aprilausgabe 2015 der Porsche Times

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